LXD und LID

LXD und LID

Eine meiner ersten Eindrücke von moodle – nach Jahren – war dessen Behäbigkeit, dieses Spröde, ja Unattraktive. Man fühlt sich unwillkürlich um Jahre zurückgeworfen und im nächsten Punkt jäh enttäuscht, da die Anpassungsfähigkeiten nicht annähernd so ausgereift wie bei manchem CMS. Webdesign? Usability und (etwas gesteigert) User Experience? Das alles scheinen immer noch fast Fremdworte. State of The Art 2012?

Learning + User Experience Design = LXD = Learning Experience Design!
Learning + User Interface Design = LID =Learning Interface Design!

Ja, das gibt es wirklich! Und das ist gut so! Was verbirgt sich dahinter?

Learning Experience Design (LXD) is a design discipline that aims to make learning more effective and fun. It uses experience as the foundation for learning. There’s a focus on innovative use of media, both analogue and digital.

definiert die . Soweit so gut. Der Ansatz stellt gegenüber Inhalten das Lernerlebnis in den Vordergrund.
Dass User Experience auch im Webdesign und im Produktdesign funktioniert, ist bekannt. Mehr noch sind es inzwischen etablierte Methoden.
Warum also nicht auch beim Lernen?
Learning Experience Design versteht sich somit auch als Teildisziplin des User Experience Designs und entsprechend als Disziplin, die den User (= Lernenden… und Lehrenden?) in den Vordergrund stellt.

Ein Teilgebiet des Ganzen ist das sog. Learning Interface Design.  Hier geht es rein um Interfaces und die Frage wie diese gestaltet werden müssen, um zum einen die Freude an der Nutzung (Nutzungserlebnis) aber auch die Effektivität des Lernens zu erhöhen.
Learning Interface Design findet also beispielsweise seine Anwendung beim Lernmanagement System (nicht nur moodle), aber nicht nur. Dazu gehören natürlich alle Formen von Lerntools und Lernumgebungen, aber auch CBT oder Learning Apps.

Brauchen wir das? Ja, finde ich! Bei der Implementierung von Lerninhalten und Lernwerkzeugen geht es nicht nur um Pädagogik. Es geht auch hier um den User.

Motivation als Schlüsselwort: User Experience als unterstützendes Konzept für alle Nutzer, Lehrende wie Lernende. Spaß als Erfolgsfaktor mag vielleicht etwas flapsig klingen, trifft aber doch die Idee. Freude an der Nutzung als Motivationssteigerung.
Lernstrategien und Lerntheorie: User Experience als unterstützende Maßnahme, verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden.
Eine Frage der Qualität: User Experience mit all seinen Teildisziplinen kann durchaus als qualitätssichernde Maßnahme verstanden werden

Die typischen Konzepte der User Experience sind auch auf LXD und LID anwendbar. Besonders anschaulich übrigens das bekannte .

Was bedeutet das alles fürs Lernen?

Useful – klar. Werkzeuge und Inhalte müssen nützlich sein.
Usable: Werkzeuge (und Lerninhalte) müssen benutzbar sein. Dies ist zunächst eine reine Usability Anforderung und gilt für alle, die produzieren, genauso wie für die, die “konsumieren”.
Findable: Nutzer, in dem Fall also Lernende (und bei Lernplattformen u.a. übrigens durchaus auch die Lehrenden!) müssen finden, was sie suchen, um ihr Ziel zu erreichen.
Credible: Die Glaubwürdigkeit ist eines der Kriterien, die beim Lernen natürlich Grundvoraussetzung ist.
Accessible: Zugänglichkeit für alle. Eine Selbstverständlichkeit im großen Bereich E-Learning?
Desirable: Ein interessanter Aspekt. Kann E-Learning etwas sein, das man sich wünscht? Ich denke, genau hier setzt das “Lern-Erlebnis” an. Wer das schafft, ist der King, oder nicht?

Beides, sowohl LXD als auch LID versuchen, ihre Maßnahmen messbar zu machen. Ich bin überzeugt, das geht, noch mehr aber, dass hier eine echte Notwendigkeit besteht.

Sicherlich erfüllen viele digitale Lernwerkzeuge und Lerninhalte das ein oder andere Kriterium. Denke ich aber beispielsweise an meine ersten Impulse bei der Nutzung von moodle, so muss ich sagen, gibt es hier noch einiges zu tun und bin mir sicher, das ist ein Beispiel von vielen.

Leider scheint hier noch viel Aufklärung nötig.  Gerade eben habe ich einen wirklich interessanten Beitrag im UX Magazine gefunden: . Ein engagierter Artikel über eine noch recht neue Disziplin und die Forderung nach mehr User Experience und Design im (übrigens nicht nur E-) Learning.

Zu Beginn steht allerdings noch das Bewusstsein um die Notwendigkeit, sich dieser Thematik überhaupt anzunehmen.
Nein, wir sind 2012 einfach nicht mehr in einer Zeit, in der das Look & Feel einer Anwendung durch seinen spröden Charme besticht. Und sicherlich kann jeder Inhalt durch das Wissen um den User und seiner Gewohnheiten an Überzeugungskraft gewinnen und damit zu “besserem Lernen” beitragen.

So lassen sich bestimmt viele der Hilfsmittel und Forschungsergebnisse, die das Buzzword Web 2.0 in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat, aufs Lernen mappen. Insbesondere aber wäre es schon deshalb wichtig, weil wir es beim Lernen mit einem sensiblen Thema zu tun haben. Klar geht es hier nicht um Profit, dafür aber umso mehr um den Menschen.

Lesetipp noch auf A List Apart: .

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